Baitcaster Wartung – Reelaix
Baitcaster Wartung

Rollenfett, Rollenöl, Wartung, Werkzeug -

Baitcaster Wartung

Wenn du dir eine Baitcaster kaufst stehst du früher oder später vor der Frage wie du das geliebte Teil gut in Schuss halten kannst. Je nachdem wie oft du angelst und wie viele Baitcaster du im Arsenal hast, können sich die Wartungsintervalle sehr stark unterscheiden.

Zumindest einmal im Jahr macht es Sinn sich eine Baitcaster zumindest genau anzusehen ob etwas getan werden sollte. Bei mir sind Baitcaster im Arsenal die ich nicht mehr als zehnmal im Jahr verwende, diese werden dann auch nicht jedes Jahr gewartet. Andere Baitcaster bekommen alle zwei bis drei Monate ein bisschen Zuwendung. Dabei gibt es verschiedene Levels. Recht oft mache ich einfach nur eine schnelle Wartung der Wurflager.

Schnelle Wartung der Wurflager

Bei einer schnellen Wartung der Wurflager kümmere ich mich wirklich nur um die Kugellager die für den Wurf zuständig sind. Das sind die beiden Kugellager die mit der Achse in Kontakt sind. Eines davon befindet sich immer im Non-Handle Sideplate. Das zweite Kugellager sitzt je nach Hersteller entweder auf der Achse der Spule oder unter dem Knopf für die Spool Tension. Manche nennen den Knopf Achsenquetsche…

Spool Tension

Für die ganz schnelle Wartung gibt es ein oder zwei winzige Tröpfchen dünnes Öl auf jedes der Kugellager. Beim Werfen und Kurbeln kriecht das Öl selbstständig in die Kugellager, auch wenn sie geschlossen sind.

Je leichter das Wurfgewicht der Baitcaster ist, desto dünner muss das Öl sein, damit die Kugellager extrem leichtgängig bleiben. Der Nachteil ist, dass so dünne Öle auch schneller wieder verschwinden als zähflüssigere Öle. Es ist kein Kunststück zu bemerken wann die nächste schnelle Wartung fällig ist. Das merkst du sofort wenn die Kugellager laut werden, aber ansonsten sauber laufen. Je nach Häufigkeit der Benutzung muss eine BFS Baitcaster alle paar Wochen mit ein bis zwei Tröpfchen nachgeölt werden. Baitcaster für schwerere Gewichte mit dickerflüssigem Öl für die Kugellager können auch gut und gerne eine Saison ohne neues Öl mitmachen.

Gründliche Wartung der Wurflager

Bei der gründlichen Wartung der Wurflager müssen sie ausgebaut werden. Aber auch das ist keine wirkliche Kunst.

Die Kugellager die nicht auf der Achse sitzen werden in aller Regel mit einer Spange aus Federstahl gehalten. Um die Spange zu entfernen brauchst du ein bisschen Fingerspitzengefühl und eine Pinzette oder einen feinen Schlitzschraubendreher.

Vorsichtig die Feder rausnehmen, kann schnell verloren gehen

Dabei musst du extrem aufpassen, damit die Spange nicht verloren geht. Die gespannte Spange kann echt krass weit fliegen. Wenn du dir unsicher bist, dann empfehle ich dir diese Operation in einer durchsichtigen Plastiktüte zu machen, dann kann die Spange nicht weit fliegen und du hast dennoch alles im Blick. Die ersten Paar mal habe ich das so gemacht, nachdem ich einmal eine halbe Stunde lang suchen musste.

Wenn das Lager auf der Spule sitzt empfehle ich dir auf jeden Falle einen Pin Remover. Das ist ein spezielles Tool zum entfernen solcher Pins. Mit purer Muskelkraft oder einer Zange kannst du den Spulenrand oder die Achse beschädigen und dann ist der Schaden oft irreparabel. Das ist ärgerlich, da eine neue Spule meist extrem teuer ist.

Kugellager auf Spulenachse mit geeigneten Pin Remover

Der Pin hat meistens ein dickeres und ein dünneres Ende. Der Druck muss auf das dünnere Ende des Pins ausgeübt werden, da das dickere Ende nicht durch die Bohrung in der Achse passt. Ein bisschen Kraft ist okay, Gewalt sollte aber nicht nötig sein!

Wenn die Kugellager ausgebaut sind kommen sie in ein Bad aus Isopropanol. Dazu brauchst du nur soviel, dass die Kugellager bedeckt sind. Um das Öl gründlich zu entfernen schüttle ich das Gläschen mit dem Isopropanol und den Kugellagern von Zeit zu Zeit. Nach ein paar Stunden lege ich die Kugellager auf einem Küchenpapier zum trocknen aus damit sie trocknen können. Sobald die Kugellager trocken sind bekommt jedes zwischen einem und zwei Tröpfchen Öl ab.

Isopropanol Bad für Kugellager um Fett und Öl Rückstände zu entfernen

Ich stecke die Kugellager auf ein China Stäbchen oder ein Bearing Check Tool und drehe das Kugellager ein bisschen. Das Öl verschwindet dann sehr schnell im Inneren des Kugellagers. Sollte ich das Gefühl haben es ist noch zu wenig, kommt noch ein drittes Tröpfchen dazu.

Kugellager wird geölt und sitzt auf einen Bearing Check Tool

Anschließend wird einfach alles wieder zusammengebaut. Die Arbeitszeit ist zwar - falls du nicht von innen an das Kugellager unter der Spool Tension musst - nicht deutlich länger als bei der schnellen Wartung, aber die Wartezeit bis alles schön gebadet ist braucht schon ein etwas Geduld.

Gründliche Baitcaster Wartung

Um eine Baitcaster gründlich zu warten brauchst du ein paar Sachen.
  • ein Stoff Tuch und/oder Küchenrolle
  • Kreuz- oder Schlitzschraubenzieher (je nach Modell)
  • einen Lock Nut Schlüssel für die Handle Nut
  • einen Pin Remover (je nach Modell)
  • Bearing Checktool oder Chinastäbchen
  • Wattestäbchen
  • billige Zahnbürste
  • ein oder zwei kleine Borstenpinsel
  • Isopropanol
  • ein Fett zum schmieren des Getriebes und der Bremsscheiben
  • Öl für die Kugellager und andere leichtgängige Teile
Vorbereitung ist die halbe Arbeit, Werkzeug, Reinigung sowie Öl und Fett bereit halten

Grundreinigung

Zuerst säubere ich die Baitcaster von außen. Ich nehme die Non-Handle Sideplate ab, nehme die Spule aus der Baitcaster und entferne allen Schmutz den ich von außen erreichen kann. Dazu verwende ich das Tuch oder Küchenrolle sowie die Wattestäbchen. Auch ein sauberer Borstenpinsel oder eine Zahnbürste kann eine große Hilfe sein. Besonders am Rollenfuß und im Bereich des Level Wind (die Welle die die Schnurführung wandern lässt) sammeln sich Fusseln und anderer Unrat.

Level Wind


Zerlegen der Baitcaster

Das Non-Handle Sideplate ist schon abgenommen. Ich entferne jetzt das Kugellager und lege es in das Isopropanol Bad. Dabei ist es wichtig die Spange die das Kugellager an seinem Platz hält weder beim Ausbau noch während der Wartung zu verlieren. Bis hierher ist alles easy, aber der Rest wird auch nicht viel schwerer. Ich habe zwei linke Hände und kann das, also kannst du es auch!

Ordnung hilft

Jetzt ist das Handle Sideplate dran. Da es hier ein bisschen komplizierter wird, lege ich mir eine Unterlage aus Papier zurecht und lege alle Teile - in der exakten Reihenfolge in der ich sie ausgebaut habe - auf das Papier. Ich achte dabei auch darauf wo unten und wo oben ist, da das einen großen Unterschied machen kann.

Ordnung muss sein

Wenn du ganz sicher gehen willst machst du hin und wieder ein Foto, bevor du etwas auseinander baust das kompliziert aussieht. Dann hast du, selbst wenn etwas mit deiner Ordnung am Tisch passieren sollte, noch einen Rettungsanker.

Der schwierigere Teil

Um das Handle zu lösen entfernst du zuerst die Schraube die den Retainer am Handle Nut (die Sechskantmutter am Handle) fixiert. Dann entfernst du den Retainer und löst die Handle Nut. Jetzt kannst du das Handle einfach abnehmen.

Zuerst die Retrainerschraube lösen, danach den Retrainer und die Locknut
Anschließend schraubst du den Stern der Kampfbremse ab. Darunter befindet sich in der Regel eine Feder, eine vierkantige Mutter, diverse Beilagscheiben und oft auch ein Klicker. Besonders bei den Beilagscheiben ist es wichtig, dass sie richtig liegen, da sie teilweise gewölbt sind. Wenn die Wölbung später in die falsche Richtung zeigt musst du herumtüfteln wie sie gehörten bis die Baitcaster wieder ideal funktioniert.

Wenn das Handle und alles darunter entfernt ist kommen die Schrauben die das Handle Sideplate halten dran. Meistens sind das drei kleine Schrauben. Sobald die Schrauben gelöst sind lässt sich das Handle Sideplate schön einfach abheben.

Im Handle Sideplate unter dem Spool Tension Knob findest du übrigens noch ein Walzenlager, falls du dein Eindruck hast, dass es gesäubert gehört legst du es auch ins Isopropanol Bad. Alle Lager die du findest kannst du baden um das alte Öl zu entfernen.

Isopropanolbad für Kugellager

Das Innenleben der Baitcaster

Auch beim Innenleben ist es wichtig Ordnung zu halten. Mach bitte ein oder zwei Fotos zwischen den Arbeitsschritten, falls du dir nicht ganz sicher bist! Achte beim Zerlegen darauf, dass alle Teile mit der gleichen Seite nach oben liegen wie sie der Baitcaster waren. Wenn ein Teil verkehrt herum eingebaut wird sorgt das für großen Ärger.
Sobald alle Teile die sich leicht entfernen lassen, wie zum Beispiel das Getriebe, die Bremsscheiben, der Pinion Gear (das kleine Zahnrad-Röhrchen das mit dem großen Getrieberad interagiert) und andere Kleinteile ausgebaut sind geht es an das Säubern.

Teilweise sind die Baitcaster innen komplett trocken und teilweise sind sie extrem mit Fett zu gekleistert. Zuerst entferne ich das komplette alte Fett das ich finden kann. Die Bremsscheiben entfette ich nur wenn sie schon Probleme gemacht haben oder dreckig aussehen, ansonsten lasse ich sie in Ruhe.

Getriebe gefettet mit Deuthlon Fett

Anschließend kommt neues Fett auf alle Zahnräder die ich finden kann. Dabei muss man nicht zu krass sparen, aber zu viel ist auch nicht gut. Wenn du zuviel Fett nimmst hast du das Zeug schlussendlich überall in der Baitcaster nach einem warmen Angeltag. Falls du die Bremsscheiben entfettet hast, braucht es auch hier eine sehr sparsame Fettung, da die Bremse sonst hackt!Schön fetten, achte auf ein gutes Mittelmaß nicht Zuviel nicht zu wenig

Alle anderen beweglichen Teilchen und Federn werden sparsam geölt. Auch die Kugellager werden - nachdem sie fertig gebadet und getrocknet sind - vorsichtig mit einem dünnen oder sehr dünnen Öl verwöhnt. Einfach ein oder zwei Tröpfchen auf das Lager geben und - wie im ersten Teil beschrieben - das Kugellager drehen. Das Öl kriecht dann selbstständig an seinen Platz.

Kugellager Ölen mit Deuthlon Öl

Für das Nadellager kann man je nach Geschmack ein eher dickeres Öl verwenden oder ein sehr dünnes Fett. Anschließend wird einfach alles wieder genauso zusammengebaut wie du es abgelegt hast.

Vergiss auch nicht den gesäuberten Levelwind ein bisschen zu fetten oder zu ölen. Auch der Daumentaster verträgt an den Punkten an denen er sich im Rahmen bewegt ein kleines Tröpfchen Öl.

Jetzt sollte deine Baitcaster wieder funktionieren wie neu! Keine Angst, ich bin beim ersten Mal auseinanderbauen fast gestorben, aber spätestens nach dem dritten oder vierten Mal hast du das im Griff!

Natürlich könnte man noch mehr auseinanderbauen als ich beschrieben habe. Wenn man aber weiter geht sollte man sich entweder wirklich auskennen, eine verschossene Baitcaster zum Üben an der Hand haben oder das wertvolle Gerät einem Profi überlassen!

Autor: Luitgar Summer

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